Ihr wollt einen leerstehenden Laden beleben und/oder gemeinsames Arbeiten bei euch etablieren. Aber wer kommt regelmäßig? Und wie finanziert ihr den Betrieb?
Genau das klärt ein Geschäftskonzept. Für wen ihr was anbietet, wer es betreibt, wie ihr die Kosten deckt. Hier legt ihr dafür die Grundlage.
Infobox
Coworking Space
Menschen aus verschiedenen Unternehmen oder Selbstständige teilen hier Arbeitsplätze und Infrastruktur, dazu Besprechungsräume und gemeinsame Aktivitäten. Auf dem Land entstehen daraus oft Treffpunkte, die Arbeiten mit Café, Kursen oder Übernachtung verbinden. Es sind Begegnungsorte, nicht nur Schreibtische.
1. Wer braucht unseren Coworking Space?
In einem Coworking Space teilen Menschen Arbeitsplätze und Infrastruktur, obwohl sie für unterschiedliche Unternehmen oder selbstständig arbeiten. Dazu können Besprechungsräume und gemeinsame Aktivitäten gehören. Entscheidend für euer Konzept ist, welchen Nutzen die Menschen vor Ort darin sehen und wofür sie bezahlen würden.
Beginnt deshalb mit Gesprächen über den tatsächlichen Arbeitsalltag. Fragt, wo Menschen bisher arbeiten, was ihnen dabei fehlt und wie oft sie euren Ort nutzen würden. Gerade auf dem Land gehört auch der Weg dazu: Ein schöner Arbeitsplatz hilft wenig, wenn die Anfahrt im Alltag zu aufwendig ist.
Rechenbeispiel
Euer Business-Modell
Eine selbstständige Grafikerin sucht einen festen Platz für fünf Tage pro Woche. Ein Angestellter braucht an zwei Vormittagen einen ruhigen Raum für Videokonferenzen, während ein örtlicher Verein gelegentlich einen Besprechungsraum buchen möchte.
Für diese Menschen entwickelt ihr unterschiedliche Angebote und Preise. Prüft bei Angestellten auch, ob ihre Unternehmen die Nutzung erlauben und bezahlen.
Ein freundliches „das wäre schön“ ist noch keine Buchung. Fragt deshalb nach konkreten Nutzungstagen und testet, ob aus Interesse eine bezahlte Nutzung wird.
Mögliche Leitfragen:
- Welche Menschen könnt ihr bereits konkret benennen?
- Welches Problem löst euer Ort für sie so gut, dass sie regelmäßig kommen würden?
2. Welches Angebot passt zu unserem Ort?
Übersetzt die Gespräche in wenige Leistungen, die ihr zum Start verlässlich anbieten könnt. Das könnten feste Arbeitsplätze, einzelne Arbeitstage und ein buchbarer Besprechungsraum sein. Beschreibt jeweils, was enthalten ist und wann die Menschen das Angebot nutzen können. So erkennt ihr auch, welche Ausstattung ihr wirklich braucht.

Praxisbeispiel
Bankfiliale mal anders
Als ich 2018 das BLOK O in Frankfurt (Oder) für meinen damaligen Arbeitgeber eröffnete, kamen bald weitere Ideen aus der Stadt hinzu. Die Initiatoren eines kostenlosen Lastenradverleihs suchten beispielsweise einen Standort für ihre Räder. Sie trauten dem Coworking Space zu, ihrer Idee ein Zuhause zu geben.
Für euer Konzept heißt das: Hört zu, welche Bedürfnisse aus der Umgebung an euch herangetragen werden. Prüft dann, ob eine zusätzliche Nutzung zu euren Räumen, eurem Team und euren Zielen passt. Ein Café kann Begegnungen ermöglichen, braucht aber Menschen, die Einkauf, Service und Reinigung übernehmen. Diese Aufgaben gehören von Anfang an in eure Planung.
Mögliche Leitfragen:
- Welche zwei oder drei Angebote könnt ihr zum Start zuverlässig betreiben?
- Welche Ergänzung hilft euren Nutzer*innen, ohne euer Team zu überfordern?
3. Seid ehrlich: Wieviel Einnahmen und Arbeit kommen wirklich zusammen?
Euer Geschäftsmodell beschreibt, wie ihr eure Leistungen finanziert. Einnahmen können beispielsweise aus monatlichen Arbeitsplatzbuchungen und der Vermietung von Besprechungsräumen entstehen. Stellt ihnen sämtliche laufenden Kosten gegenüber: Miete, Energie, Internet, Reinigung, Versicherungen und Verwaltung. Plant auch Reparaturen und bezahlte Arbeitszeit ein.
Rechenbeispiel
Wann trägt es sich?
Ihr bietet zehn feste Arbeitsplätze für jeweils 250 Euro netto im Monat an. Bei vollständiger Vermietung erzielt ihr damit 2.500 Euro Monatsumsatz, bei sechs vermieteten Plätzen 1.500 Euro. Umsatz bezeichnet eure Einnahmen aus diesen Leistungen vor Abzug der Kosten. Die Zahlen sind keine Preisempfehlung und zeigen noch nicht, ob sich euer Betrieb trägt.
Ein fiktives Rechenbeispiel:
Rechnet deshalb für jedes Angebot mit einer vorsichtigen, einer erwarteten und einer günstigen Nachfrage. Trennt einmalige Ausgaben für Einrichtung und Umbau von laufenden Kosten. Überlegt außerdem, wie lange ihr eine Anlaufphase mit geringen Einnahmen finanzieren könnt. Fördermittel für den Aufbau beantworten diese Frage nur, soweit sie tatsächlich dafür zur Verfügung stehen.
Für einen gemeinwohlorientierten Ort gehört noch etwas dazu: Wenn ihr kostenlose Treffen oder Angebote für Initiativen ermöglichen wollt, brauchen auch diese Zeit und Geld. Haltet fest, ob ihr sie durch andere Einnahmen, Beiträge oder verbindliche Kooperationen finanziert. Eine erhoffte Unterstützung solltet ihr in eurer Rechnung als ungesichert kennzeichnen.
Mögliche Leitfragen:
- Welche Kosten entstehen auch dann, wenn kaum jemand bucht?
- Welche Einnahmen sind bereits zugesagt und welche bisher nur eine Annahme?
4. Wer ist Gastgeber*in und wie ist euer Alltag geplant?

Gemeinschaft braucht Menschen, die neue Gäste begrüßen, Fragen beantworten und Kontakte ermöglichen. Diese Arbeit heißt häufig Community-Management. Dazu gehören auch gemeinsame Regeln und der Umgang mit Konflikten. Klärt im Team, wer dafür zuständig ist und wie viel Zeit ihr dafür einplant.
Tipp
Ein mögliches Alltagsszenario:
Zwei Personen führen Videokonferenzen, während nebenan eine Gruppe ihren Workshop vorbereitet. Ohne Rückzugsmöglichkeiten stören sie sich gegenseitig, obwohl beide Angebote für sich sinnvoll sind. Bei einem Probebetrieb könnt ihr herausfinden, ob eure Raumaufteilung und Buchungszeiten zusammenpassen. Ihr merkt außerdem, wie viel Betreuung tatsächlich nötig ist.
Ein mögliches Alltagsszenario:
Auch ungeplante hilfreiche Begegnungen brauchen passende Bedingungen. Im Webinar sprechen wir dafür über Serendipität: Jemand findet im Austausch eine Idee oder einen Kontakt, nach dem die Person gar nicht gezielt gesucht hat. Ein gemeinsames Mittagessen kann solche Begegnungen erleichtern. Die Teilnahme bleibt eine Einladung. Konzentriertes Arbeiten braucht ebenfalls Platz.
Mögliche Leitfragen:
- Wer übernimmt die Gastgeberschaft und wer vertritt diese Person?
- Was wollt ihr bei einem ersten gemeinsamen Arbeitstag gezielt beobachten?
Nehmt euch als nächsten Schritt eine Stunde im Team und beantwortet die Leitfragen auf einer Seite. Markiert die Punkte, zu denen euch noch Wissen fehlt, und vereinbart Gespräche mit fünf möglichen Nutzer:innen. Daraus könnt ihr ein erstes buchbares Testangebot entwickeln. Im Webinar „Coworking Space: Geschäftskonzepte verstehen & erstellen“ beim Zukunftsorte Lab vertiefen wir Zielgruppen, Einnahmen und Gemeinschaft anhand konkreter Konzepte. Auf der Seite findet ihr auch den begleitenden Einführungskurs.
Takeaways
- Fragt nach konkreten Nutzungstagen – „das wäre schön” ist keine Buchung.
- Startet mit zwei, drei verlässlich betreibbaren Angeboten statt mit allem gleichzeitig.
- Rechnet mit drei Nachfrage-Szenarien statt nur einem und bedenkt die laufenden Kosten.
- Auch kostenfrei Angebote kosten: haltet fest, woraus ihr sie finanziert und markiert ehrlich Ungesichertes.
- Gastgeber*innenschaft ist bezahlte Arbeit – mit Zuständigkeiten, Vertretungsregelungen und Probebetrieb.
Häufige Fragen zur Gründung eines Coworking Space
Brauchen wir schon eigene Räume?
Für die ersten Gespräche und euer Konzept braucht ihr keine eigenen Räume. Für einen Test könnt ihr mit einer bestehenden Einrichtung zusammenarbeiten. Prüft vorab gemeinsam, ob die geplante Nutzung dort möglich ist.
Wie viele Arbeitsplätze brauchen wir, damit es sich lohnt?
Eine allgemeingültige Mindestzahl gibt es nicht. Entscheidend sind eure Kosten, die erzielbaren Preise und die tatsächlichen Buchungen. Rechnet zunächst aus, welche Einnahmen ihr monatlich braucht, und prüft anschließend, ob eure Räume und die Nachfrage das ermöglichen.
Können wir den Coworking Space ehrenamtlich betreiben?
Ihr könnt Aufgaben ehrenamtlich übernehmen. Plant dafür konkrete Stunden, Zuständigkeiten und Vertretungen ein. Prüft auch, ob ihr den Betrieb weiterführen könnt, wenn eine besonders engagierte Person ausfällt oder weniger Zeit hat.
Wie finden wir heraus, ob Menschen dafür bezahlen?
Bietet nach den ersten Gesprächen einen klar beschriebenen Probetag oder einen begrenzten Probemonat zu einem konkreten Preis an. Beobachtet, wer tatsächlich bucht und wiederkommt. Fragt auch nach, warum interessierte Menschen das Angebot nicht nutzen.
