Vom Träumen ins Machen: So entwickelt ihr eure Jahresstrategie

Johannes Milke Wir bauen Zukunft eG

Viele von euch stehen vor der Frage: Wie entwickeln wir eine Strategie, die uns Richtung gibt und gleichzeitig motiviert? Wie entwickeln wir eine Strategie, die uns Richtung gibt, uns Entscheidungen erleichtert – und unser ganzes Team arbeitsfähig macht?

In diesem Artikel zeigen wir euch, wie wir in unserer Genossenschaft Vision und Struktur miteinander verbunden haben – mit einer Kombination aus Dragon Dreaming und OKR, die sich auf jeden Zukunftsort übertragen lässt.

Luftbild vom Zukunftsort Wir bauen Zukunft – Foto ©Horn

Im Strategieteam unserer Genossenschaft standen wir als Zukunftsort „Wir bauen Zukunft“ vor genau dieser Herausforderung. Unser klassischer Jahresplan hat für uns nicht geleistet: zu starr, zu linear – und ehrlich gesagt, zu seelenlos für einen Ort, der von Gemeinschaft lebt. Gleichzeitig haben wir gemerkt: Gemeinsam träumen allein reicht auch nicht. Irgendwann muss aus dem Traum etwas Greifbares werden, an dem man strukturiert weiterarbeiten kann.

Wie kommen Traum und Struktur zusammen?

Deshalb haben wir uns im Zuge unseres jährlichen Strategieprozesses gefragt, wie wir mit dieser Herausforderung umgehen können. Wir haben angefangen, verschiedene Methoden auszuprobieren – und zwei kombiniert, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.

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Dragon Dreaming

Dragon Dreaming – eine partizipative Methode, um im Team gemeinsam Visionen zu entwickeln und in Projekte zu übersetzen – für den gemeinsamen Traum des kommenden Jahres, um Verbundenheit, Tiefe und die Intuition des ganzen Teams zu fördern. Mehr dazu im Dragon Dreaming Playbook.

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OKR

OKR („OKR“ steht für Ziele und Messkriterien und kommt ursprünglich aus der Softwareentwicklung) dient dagegen der Klarheit, Messbarkeit und Verbindlichkeit. Tipps zum OKR-Formulieren gibt es zum Beispiel bei Mooncamp

Dragon Dreaming öffnet den Raum. OKR schärft den Fokus.
Gerade für Zukunftsorte, die genossenschaftlich oder gemeinschaftlich organisiert sind, ist diese Kombination wie gemacht: ein Raum für die gemeinsame Intuition der Mitglieder – und ein Rahmen, der aus dem Traum tatsächlich in die Umsetzung führt.

Mögliche Leitfragen:

  • Bleibt bei euch der Traum eher bei der Vision stecken – oder eher bei der Umsetzung ins Konkrete?
  • Welche eurer bestehenden Methoden bringt schon Tiefe, welche schon Klarheit?

Wie läuft unser Strategieprozess bei Wir bauen Zukunft genau ab?

Wir beschreiben das in aller Tiefe in unserem Webinar „Dragon Dreaming, OKR & Iterationen – vom Träumen ins Machen kommen“. Aber das Gerüst, an dem wir uns entlanghangeln, wollen wir hier teilen, weil es sich gut übertragen lässt. Es beginnt mit einem Rahmen, den in unserem Fall Vorstand und Strategiekreis setzen – als Spielfeld sozusagen.

Dann kommt der Traumkreis mit dem ganzen Team, analog und digital, mit einer einzigen großen Frage: „Was muss passiert sein, damit du am Ende des Jahres sagen kannst, du hättest deine Zeit nicht besser verbringen können?“ Aus den Flipcharts voller Träume werden Schwerpunkte, aus Schwerpunkten werden messbare Ziele. Und dann beginnt der eigentlich wichtige Teil: das regelmäßige Überprüfen und Nachjustieren.

Zukunft säen bei Wir bauen Zukunft – Foto ©Taterka

Unser Strategieprozess unterteilt sich in folgende Schritte:

  1. Strategische Handlungsfelder definieren – als Rahmen für das Jahr.
  2. Traumkreis mit dem Team – gemeinsames Träumen und Teilen, analog und digital.
  3. Clustering & Priorisierung – Träume in Themenfelder und Wirkungsziele überführen.
  4. Jahresziele ausformulieren – innerhalb der strategischen Handlungsfelder.
  5. OKRs pro Team & Wirkungsbereich – 2–3 Objectives pro Quartal mit messbaren Key Results.
  6. Regelmäßiger Abgleich mit Jahreszielen & Vision – Transparenz und Austausch in festen Regelterminen.
  7. Zyklische Justierung – die OKRs werden drei- bis viermal im Jahr reflektiert und angepasst.

Die „zyklische Justierung“ ist kein starrer Jahresplan, sondern ein Kompass, an dem wir uns mehrmals im Jahr neu ausrichten. Sie ist eingebettet in Rituale, die es ohnehin schon gibt: unsere Jour Fixes und Reviews. Wir arbeiten inzwischen im zweiten Jahresdurchlauf damit, und erst in der Wiederholung zeigt sich, was gut funktioniert hat und was nicht.

Praxistipp

Sucht euch Unterstützung

Ein ehrlicher Hinweis noch – für den Traumkreis lohnt sich externe Begleitung. Wir hatten das Glück, eine erfahrene Dragon-Dreaming-Expertin an unserer Seite zu haben – das hat der Phase eine Tiefe gegeben, die wir allein so nicht hinbekommen hätten.

Mögliche Leitfragen:

  • Wer könnte bei euch den Rahmen setzen, bevor der Traumkreis startet – Vorstand, Kernteam, alle gemeinsam?
  • An welche bestehenden Termine ließe sich ein ähnlicher Rhythmus bei euch andocken?

Was haben wir dabei gelernt?

Drei Dinge nehmen wir bisher mit.

  • Struktur und Seele sind kein Widerspruch – die Verbindung aus beidem schafft erst die Verbindlichkeit, die uns trägt.
  • Lieber zwei richtig gute Ziele als fünf schwammige. Fokus ist unbequem, aber er zahlt sich aus.
  • Aufbauen auf bereits Vorhandenem: Wir mussten keine neuen Meetings erfinden, sondern haben den Strategierhythmus in bestehende Termine gelegt – zum Beispiel läuft die Review der OKRs auf Teamebene in den verschiedenen Arbeitskreisen, und wir teilen unsere Erfahrungen im monatlichen „Jour Fixe“ mit allen.

Mögliche Leitfragen:

  • Wo bei euch wäre externe Begleitung für den ersten Durchlauf hilfreich?
  • Habt ihr aktuell eher zu viele oder zu wenige – aber dafür klare – Ziele?

Take Aways

  • Struktur und Seele schließen sich nicht aus – ihre Verbindung schafft Verbindlichkeit.
  • Zwei klare Ziele tragen weiter als fünf schwammige.
  • Nutzt bestehende Termine für Reviews, statt neue Meetings zu erfinden.
  • Holt euch für den ersten Traumkreis-Durchlauf erfahrene Begleitung dazu.
  • Der Prozess wird erst in der Wiederholung wirklich rund – gebt ihm mindestens ein Jahr.

Was könnt ihr jetzt tun?

Startet mit einer einzigen Frage im Team: Was müsste passiert sein, damit ihr das Jahr am Ende als gut gelebt empfindet? Daraus lassen sich erste Schwerpunkte und Ziele ableiten – auch ohne dass ihr schon alle Schritte im Detail kennt.

Häufige Fragen:

Lohnt sich OKR überhaupt für unser kleines, ehrenamtliches Team?

Ja – gerade dann. Ihr braucht dafür kein großes Team und keine Vollzeitstellen. Fangt klein an: ein, zwei gemeinsame Ziele fürs ganze Projekt, nicht pro Person. Wichtiger als die Methode ist, dass ihr euch auf ein paar Schwerpunkte einigt, an denen ihr euch übers Jahr orientiert.

Müssen wir jetzt ständig Ziele überprüfen – wer soll das leisten?

Nein, ständig nicht. Bei uns sind es drei- bis viermal im Jahr, jeweils ein bis zwei Stunden. Der Trick: Hängt die Reviews an Termine, die es ohnehin gibt – euren Jour Fixe, ein Vereinstreffen – statt neue Meetings zu erfinden.

Was, wenn bei uns niemand Dragon Dreaming kennt?

Das ist normal und kein Hindernis für den Anfang. Den Kern – den Traumkreis mit der Frage nach dem idealen kommenden Jahr – könnt ihr auch ohne Vorwissen ausprobieren. Für den ersten richtigen Durchlauf lohnt sich aber Begleitung durch eine erfahrene Person. Im Zukunftsorte Lab findet ihr Praxispartner*innen, die das schon oft gemacht haben.

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